Für industrielle Antriebsgeräte ist die richtige motor-Öl-Dichtung anhand des tatsächlichen Motorbetriebs auszuwählen: Drehgeschwindigkeit der Welle, vorhandenes Schmiermittel, Temperatur im Bereich der Dichtung, nahegelegene Verunreinigungen sowie tägliche Laufzeit des Geräts. Eine Dichtung, die in einem kleinen Allzweckmotor funktioniert, eignet sich möglicherweise nicht für einen kontinuierlich laufenden Industriemotor unter höherer Last.
Industriemotoren treiben häufig Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren, Förderbänder, Getriebe und andere Geräte an. Ihre Betriebsbedingungen können daher erheblich variieren. Ein Motor, der einen Ventilator in einer sauberen Innenraumumgebung antreibt, stellt möglicherweise relativ einfache Anforderungen an die Dichtung, während ein Motor für landwirtschaftliche oder bautechnische Geräte Staub, Feuchtigkeit, Vibrationen und Temperaturschwankungen ausgesetzt sein kann.
Die Wellendrehzahl sollte bereits früh im Auswahlprozess berücksichtigt werden. Die Dichtlippe gleitet während des gesamten Betriebs gegen die rotierende Welle, wodurch Reibung entsteht. Bei höheren Drehzahlen gewinnen die dadurch verursachte Wärmeentwicklung und der Verschleiß an Bedeutung. Geometrie der Lippe, Schmierung, Oberflächenbeschaffenheit der Welle sowie Werkstoffauswahl beeinflussen das Verhalten der Dichtung maßgeblich.
Das Schmiermittel ist ein weiterer entscheidender Faktor. Die Öldichtung muss mit dem um das Lager oder eine andere rotierende Baugruppe verwendeten Fett oder Öl kompatibel sein. Falls sich das Schmiermittel während der Wartung der Anlage ändert, ist auch die Ersatzdichtung auf Kompatibilität zu prüfen – sie darf nicht ohne Prüfung als austauschbar angenommen werden.
Temperatur und Betriebszyklus sollten gemeinsam betrachtet werden. Ein Motor, der für einige Minuten eine bestimmte Temperatur erreicht, ist nicht denselben thermischen Bedingungen ausgesetzt wie ein Motor, der über viele Stunden kontinuierlich bei dieser Temperatur betrieben wird. Langfristige Wärmebelastung kann die Alterung von Elastomermaterialien beschleunigen; daher sollte das erwartete Betriebsmuster Teil der Auswahlbesprechung sein.
Die Umgebung bestimmt, ob ein Schutz vor Verunreinigungen erforderlich ist. In staubigen oder feuchten industriellen Umgebungen kann eine Dichtung mit einer zusätzlichen äußeren Lippe helfen, das Eindringen externer Verunreinigungen zu verringern. In einer sauberen Umgebung kann eine einfachere Konstruktion ausreichend sein. Gleichzeitig kann zusätzlicher Lippenkontakt die Reibung erhöhen; daher sollte der Umgebungsvorteil gegen die Drehzahl- und Temperaturbedingungen des Motors abgewogen werden.
Der Zustand der Welle und der Lager sollte ebenfalls vor dem Austausch einer defekten Öldichtung geprüft werden. Wenn ein Lager verschlissen ist oder die Welle eine übermäßige Bewegung aufweist, kann die neue Dichtung weiterhin lecken. Ebenso kann eine verschlissene Wellenoberfläche den neuen Dichtlippenrand beschädigen. In diesen Fällen liegt das Dichtungsproblem möglicherweise in der Mechanik begründet und nicht lediglich in einem Material- oder Profilproblem.
Für die Beschaffung sollte eine sinnvolle Spezifikation daher über Begriffe wie „Motor-Öldichtung“ oder „industrielle Öldichtung“ hinausgehen. Geben Sie dem Lieferanten Durchmesser der Welle, Drehzahl der Welle, Schmierstoff, Temperaturbereich, Betriebsstunden, Verschmutzungsgrad, Druckverhältnisse sowie Einbauräume an. Diese Angaben ermöglichen es dem Hersteller zu entscheiden, ob eine Standard-NBR-Öldichtung geeignet ist oder ob stattdessen eine FKM-Dichtung, eine Doppellippendichtung oder eine spezielle Rotationsdichtung in Betracht gezogen werden muss.

Das praktische Ziel besteht nicht darin, die komplizierteste Dichtung auszuwählen. Vielmehr geht es darum, eine Dichtung auszuwählen, deren Profil, Werkstoff und Abmessungen den tatsächlichen Betriebsbedingungen des Motors entsprechen. Genau das macht eine Öldichtung für industrielle Antriebsausrüstung geeignet.
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